'Ich werde niemals von seiner Seite weichen'

'Ich werde niemals von seiner Seite weichen'

- in Schöne Geschichten
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Gestern war ein komischer Tag. Ich bin einfach nicht aus dem Bett gekommen. Der Typ, mit dem ich zusammenlebe, hat mir hochgeholfen. Ich habe versucht, meine Beine koordiniert zu bekommen, aber die hatten da keine Lust drauf. Er sagte: ”Mach dir keinen Kopf, ich pass auf dich auf, Kumpel!” und trug mich die Treppe hinunter und aus der Haustür. Das war so lieb von ihm. Ich musste so dringend pinkeln, dass ich es genau dort erledigte, wo er mich absetzte. Normalerweise würde ich das nicht tun, aber wir beide waren uns einig, dass wir heute eine Ausnahme machen!

Ich fing an den Park hinunter zu laufen, genau auf den Platz zu, an dem alle Hunde groß machen. Ich bemerkte, dass meine Pfoten auf dem Boden zittrig wurden. „Wie seltsam“, dachte ich. Dann musste ich plötzlich den Schließmuskel loslassen. Mitten auf dem Parkplatz. Normalerweise würde ich das nicht tun. Es ist gegen die Regeln.

Mein Herrchen hat hinter mir alles sauber gemacht. Darin ist er verdammt gut. Ich fühlte mich peinlich berührt und schaute ihn an. Er sagte: „Willst du weitergehen, Kumpel?“. Ich tat es, aber es war überraschend schwierig für mich. Als wir das Ende des Parkplatzes erreichten, drehte sich mein Kopf. Ich versuchte den kleinen Hügel zu erklimmen und kippte fast um. Ich wusste einfach nicht, was mit mir los war.

Er streckte seine Hand nach unten und ließ seine Hände über mich gleiten. Das fühlte sich gut an. Er nahm mich auf den Arm und brachte mich nach Hause. Ich war immer noch verwirrt aber mein Kopf fühlte sich leichter an. Trotzdem war ich froh, dass ich nicht den ganzen Weg zurück nach Hause laufen musste. Urplötzlich schien mir das wie eine unmögliche Distanz.

Ich war so glücklich, mich auf mein Bett legen zu können. Mein Herrchen streichelte mich und sagte „Ich bin für dich da, Kumpel. Ich bin für dich da.“ Ich liebe das Gefühl, dass er mir damit gibt. Ich weiß, dass er es auch mag. Er macht einfach alles besser.

Er fühlte meine Pfoten und zog meine Lippen nach oben. Er sagte „Oh, Kumpel, ist es dir kalt?“. Mir war es echt kalt. Mein Gesicht war kalt, meine Pfoten waren kalt. Er schrieb einigen Leuten und kam zurück, um mich weiter zu streicheln.

Wenige Minuten später kam eine weitere Person an. Er ist einer meiner Lieblingsmenschen. Sein Name ist Jay. Er streichelte mich und sagte zu Herrchen „Willst du eine Decke haben?“ Sie legten eine Decke über mich und wow…das fühlte sich verdammt gut an! Ich relaxte und beide streichelten mich. Aber irgendwie fiel mir auf, dass beide auch mit den Tränen kämpften.

Ich will nicht, dass sie weinen. Das bricht mir das Herz. Es ist mein Job, dass sie sich besser fühlen. Ich bin doch nur ein wenig müde und mir ist kalt. Ich schlief dauernd ein und wachte wieder auf und sie waren die ganze Zeit da, um zu sehen, dass es mir gut geht. Sie redeten miteinander.

Über den ganzen Tag verteilt telefonierte mein Herrchen und verbrachte viel Zeit mit mir. Ich hörte wie er sagte: „9 Uhr morgen früh…okay…ja…ich sag bescheid, falls sich etwas ändern sollte. Danke, Dr. McDonald.“ Er rief noch jemand anders an und sagte „Es tut mir leid, ich muss für heute Abend absagen.“ Dann, als ich wieder langsam einschlief, glaube ich wieder gehört zu haben, wie er ein wenig weinte.

Am Abend kamen immer mehr meiner Lieblingsmenschen vorbei. Sie alle waren so lieb. Ich leckte ihre Tränen weg, falls sie nahe genug an mich herankamen. Sie flüsterten mir liebe Dinge ins Ohr und sagten, ich sei ein guter Junge.

Später am Abend fühlte ich mich stark genug, um wieder aufzustehen und aus der Tür zu gehen, aus der ich gekommen war. Es war anstrengender, als ich es in Erinnerung hatte, aber es war toll sie alle zu sehen. Ich hörte, wie mein Herrchen etwas sagte, wie „Das ist das erste Mal, dass er heute aus eigener Kraft aufgestanden ist. Jeder schien froh zu sein, dass ich endlich aus dem Hundebett rauskam. Ich auch, aber nachdem die erste Begeisterung abgeklungen war, war es sehr anstrengend herumzulaufen.“

Nachdem der letzte Gast gegangen war, brachte mich mein Herrchen nach draußen um das zu erledigen, was er „mein Geschäft“ nennt. Wir gingen zurück nach drinnen und als wir am Fuß der Treppe angekommen waren, sah sie doppelt so steil und 10x so lang aus, wie ich sie in Erinnerung hatte.Ich schaut mein Herrchen und er mich an. Er sagte: „Keine Sorge, ich bin für dich da Kumpel“ und trug mich nach oben.

Dann wurde es sogar noch besser! Anstatt in meinem Bett zu schlafen, forderte er mich auf in „seinem“ Bett zu schlafen. Ich wiederhole: „Ich durfte im Bett von Herrchen schlafen!“ Normalerweise schlafen wir in getrennten Betten, aber letzte Nacht haben wir gekuschelt und es fühlte sich so gut an, ihm so nahe zu sein.Ich dachte: „Hier gehöre ich hin. Ich werde ihm niemals von der Seite weichen.“ Ich fühlte mich allerdings nicht gut, manchmal fiel es mir schwer zu atmen.

Ich glaube es fing vor ein paar Monaten an. Wir spielten Fetch und ich kippte einfach um. Ich wusste nicht, was passiert war, aber ich glaube ich hörte auf zu atmen. Ich konnte hören, wie Herrchen meinen Namen rief. Keinen einzigen Muskel konnte ich bewegen. Er hob meinen Kopf an und schaute mir tief in die Augen. Ich konnte ihn sehen, war aber nicht in der Lage, sein Gesicht abzulecken. Er sagte: „Benny, alles okay? Bist du dadrin?“Ich konnte nichts antworten. Er schaute mich an und sagte: „Keine Sorge, Kumpel, ich bin für dich da.“ Langsam hüllte sich Dunkelheit um mich, doch dann spürten meine Lungen einen tiefen Atemzug und ich konnte wieder sehen.

Wir fuhren zu einigen Tierärzten und seit dem höre ich häufiger die Worte „Kardiomyopathie“, „Krebs“ und „Nierenversagen“. Alles was ich weiß, ist, dass ich mich manchmal gut fühle und…naja…weißt du…manchmal eben nicht. Mein Herrchen gibt mir Tabletten.

Heute Morgen hörte ich, wie mein Herrchen aufstand und in die Dusche stieg. Er kam zurück in den Raum und roch so gut. Er half mir aufzustehen, aber dieses Mal schaffte ich es alleine. Wir gingen zur Treppe und wow…sie sah wieder lang und steil aus. Er sagte: „Ich mach das, Kumpel“ und trug mich runter. Ich verrichtete mein Geschäft und wir gingen wieder rein. Er öffnete eine Dose. Ein richtig, richtig leckere Dose mit Nassfutter. Oh Mann, ich liebe das Zeug!

Jay kam wieder vorbei. Was für eine tolle Überraschung! Er und mein Herrchen sahen besorgt aus, aber beide streichelten mich. Es wirkte ein bißchen wie ein Schauspiel, bei dem alle Schauspieler traurig waren, aber so taten als seien sie glücklich. Kurze Zeit später kreuzte eine weitere Person auf. Sie trug weiße Handschuhe und ich lehnte mich an sie.

Ich hörte sie reden. Alle schauten mein Zahnfleisch an und fühlten meine Pfoten. Ich hörte wie die Tierärztin sagte „Es ist deine Entscheidung, aber er ist definitiv in diesem Stadium. Ich will dich zu nichts drängen, aber wenn ich sehe wie blass er ist, bin ich ehrlich gesagt überrascht, dass er aufsteht. Zusätzlich zu den Pfoten und Wangen, schau dir das an“, sie zeigte auf mein Gesicht. „Das sollte pink sein. Es ist fast weiß und tendiert Richtung Gelb.“

Mein Herrchen und Jay gingen rein um etwas zu besprechen. Als sie zurück kamen, hörte ich wie mein Herrchen sagte: „Ich stimme zu. Ich will nicht warten, bis er unausstehliche Schmerzen hat“ Wir gingen rein. Um ehrlich zu sein, ich fühlte mich echt schäbig, obwohl ich laufen konnte. Mein ganzer Kopf fühlte sich kalt an und meine Pfoten froren förmlich. Meine Beine funktionierten auch nicht richtig.

Die Tierärztin sagte, „Ich stecke das in seinen Muskel. Es ist ein Gift. Dann komme ich hierüber und du kannst ihn knuddeln, bis er friedlich eingeschlafen ist.“ Mein Herrchen küsste mein Gesicht und schaute mir in die Augen. Er versuchte nicht zu weinen. Die Tierärztin steckte mir eine Spritze ins Bein. Ich schaute nur mein Herrchen an. Er ist so fantastisch. Ich werde immer an seiner Seite sein.

Er und Jay streichelten mich und sie sagten die liebsten Dinge. Was für ein toller Hund ich sei und was für einen tollen Job ich gemacht habe. Wie dankbar sie seien, mich in ihrem Leben zu haben. Nach einer Weile fingen meine Gedanken an abzudriften. Fokussier dich! Ich schaute wieder mein Herrchen an. Ich liebe ihn so sehr!

Wieder schwirrten meine Gedanken davon. FOKUSSIERE DICH! Ich kann mein Herrchen sehen. Ich liebe ihn so sehr. Ich werde immer an seiner Seite sein. Er weiß das. Bin ich schläfrig? FOKUSSIERE DICH! Ich werde ihn immer mit ganzem Herzen anschauen.

Die Tierärztin sagte „Er muss einen unglaublichen Willen haben, bei dir zu bleiben. Er hält echt gut durch. Das ist beeindruckend.“ Mein Herrchen hielt die Tränen zurück und sagte: „Ich weiß. Dieser Kerl lebt für mich. Er ist die hingebungsvollste Seele, der ich je begegnet bin.“ Wir drückten unsere Köpfe gegeneinander und schlossen die Augen. Es fühlte sich gut an. Ich kann es nicht wirklich beschrieben. Wir schauten uns wieder an. Ich war versucht meine herumschwirrenden Gedanken hinterherzujagen, aber vielleicht war es besser sich hinzulegen. Mein Herrchen half mir dabei. Wow, das fühlte sich guuuuut an!

Ich fühlte, wie Jay und er mich streichelten und wie sie mit mir redeten. Sie lieben mich so sehr. Was für ein Glückspilz bin ich eigentlich? Dann fühlte ich, wie tausende Hände mich streichelten. Jeder, den ich je kannte und liebte war da, streichelte mich, kratzte meine Ohren und diesen Bereich unter meinem Halsband, der mich meine Beine bewegen ließ. Jeder sollte das mal probieren! Es ist einfach unglaublich!

Dann fühlte ich, wie die Tierärztin meine Bein berührte. Habe ich erzählt, dass mein Herrchen beide Knie von mir operieren lassen musste? Sie sind aus titanium und verrichten tolle Dienste, aber du weißt ja…sie fühlen sich in letzter Zeit etwas schlotternd an.

Während mich alle streichelten, steckte die Ärztin eine weitere Nadel in mein Bein. Während die Flüssigkeit hereinlief, wurden meine Beine geheilt! Meine Knie waren perfekt. Während es meinen Körper durchlief, fühlte ich, wie mein Krebs verschwand. Auch die Nieren fühlten sich besser an! Zu guter letzt war auch mein Herz geheilt und wieder ganz. Es fühlte sich an, als habe ich meine ganzen Krankheit mit einem Sprung hinter mir gelassen. Unglaublich!

Ich sah mein Herrchen und Jay, und die Frau die bei uns lebt, Shelly. Sie schienen sich um irgendetwas zu versammeln. Ich ging rüber und schaute, was es war. Es sah aus wie…ich weiß nicht. Es sah irgendwie aus wie ich, aber so wie ich aussah, als ich mich total krank und erschöpft fühlte. Mein Gesicht war verschwommen, also konnte ich es nicht genau sehen. Aber der arme Kerl sah aus, als habe er wirklich Schmerzen gehabt.

Ich kann sagen, dass mein Herrchen sowohl erleichtert, als auch sehr, sehr traurig war. Ich liebe ihn so sehr. Ich schaute auf die Hülle, die aussah wie ich und schaute ihn an. Ich glaube er war wegen dieser Hülle so traurig. Ich sprang durch den Raum wie ein Clown, aber es schien als wollten sie alle nicht aufgeheitert werden und sich stattdessen auf dieses Ding konzentrieren, dass sie alle streichelten und küssten.

Aber mein Herrchen war definitiv traurig. Ich lehnte mich gegen ihn, wie ich es schon millionenfach zuvor tat, aber es war irgendwie nicht das Gleiche. Es fühlte sich an als sei sein Körper eine Wolke und ich konnte einfach so durch ihn hindurch laufen. Also setzte ich mich neben ihn, wie der gute Junge, den er immer in mir sah.

Mein Herz flüsterte seinem zu:

„Keine Sorge, Kumpel, ich bin für dich da.” Ich werde niemals von seiner Seite weichen. Das weiß er.”

Quelle: Benny Pointer

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